Reiseeindrücke – Individualreise

«Azoren – aktiv am Rande Europas»

Von Silvia und Peter Knobel

Azoren

Die Azoren, wie wir sie auf dieser Reise erlebt haben, sind zwar europäisch, womit der Kulturschock ausbleibt. Und dennoch ist alles anders als auf dem Kontinent: Wir fühlten uns immer wieder in die ‚gute alte Zeit‘ zurückversetzt. So gesehen, sind die Azoren der perfekte Ort zum Entschleunigen. Auch wenn alles, wirklich alles auf dieser Reise auf Anhieb geklappt hat – Transfer von Insel zu Insel, Mietwagen, Unterkünfte, Aktivitäten – wirkt die Welt dort irgendwie wohltuend verschlafen. Wir trafen auf liebenswürdige Einwohner, die gut Englisch sprechen und gerne zu einem Schwatz bereit sind, auf eine Natur, die mit Schönheit nicht geizte, genossen ausnahmslos einfaches, aber sehr gutes Essen und waren überrascht vom fast konstant schönen Wetter und den spektakulären Wolkenbildern.

Nature Team hat einmal mehr nicht nur eine gute Nase bewiesen im Entdecken von lohnenswerten Reisezielen fern vom Massentourismus, sondern überdies eine geschickte Hand beim Wählen der Unterkünfte.

Azoren - San Miguel

Alle waren auf ihre Weise einzigartig. Besonders erwähnenswert scheinen uns das Aldeia da Cuada auf der Insel Flores, ein Bergdörfchen mit 17 alten Steinhäusern (eine Art Tessiner Rustici), in denen man wohnt und in einem sehr gut geführten Restaurant im Haupthaus speist. Wir fühlten uns nicht etwa ans sprichwörtliche Ende der Welt versetzt, sondern schlicht und einfach in eine andere Welt – mystisch, romantisch und behaglich. Direkt von dort aus führen Wanderrouten in verschiedene Richtungen. Als überaus gediegen erlebten wir das Terra Nostra Garden Hotel auf São Miguel, ein Boutique Hotel im Art Deco-Stil mit Wellnessangebot mitten in einem der schönsten botanischen Parks gelegen. Möglichkeit für stundenlange, geradezu traumwandlerische Spaziergänge oder für ein Bad im grössten Thermalteich der Welt direkt vom Hotel aus. Für uns eine unglaubliche Überraschung; denn so etwas zauberhaft Schönes, Stilvolles hatten wir nie erwartet. Begeistert hat uns auch das Naturhotel Aldeia da Fonte auf der Insel Pico: an idealer Lage mit herrlichem Meerblick, wunderbar in die wilde Landschaft eingefügt und mit hervorragender Küche.

Azoren - Flores

Was macht die Azoren so anders als andere Reisedestinationen? Wir meinen, ihre spannende, allgegenwärtige, junge Geschichte, die in verschiedenen Museen eindrücklich dargestellt wird; die unverfälschte Natur aus Vulkanen, spektakulären Steilküsten, gewaltigen Wasserfällen und vielen Kraterseen; die subtropische Vegetation; die Vielfalt an gut markierten Wanderrouten jeden Schwierigkeitsgrads; die allgegenwärtig spannende Geologie; die Kulinarik und die feinen lokalen Weine – aber vor allem, die nahezu unfassbare Ruhe. So hört man einzig die vielen Vogelstimmen, das Rauschen der Brandung und der Wasserfälle sowie das Säuseln des Windes in den hohen Bäumen. Alle anderen, bei uns omnipräsenten Geräusche der westlichen Zivilisation sind wie ausgeblendet – einfach einmalig, herrlich!

Worin unterscheiden sich die auf der Nature Team Individualreise besuchten Inseln: Auf São Miguel wird die Aktivität der Vulkane durch viele Thermalquellen und -bäder spürbar. Unser Tipp dazu: in Furnas die Poça da Dona Beija aufsuchen und mit den Einheimischen in einem Thermalfluss baden. Im Hauptort Ponta Delgada überrascht das reiche Erbe, das die ersten Einwanderer in Form von eindrücklichen Kirchenbauten hinterlassen haben.

Azoren - Flores

Auf Flores, der Blumeninsel, die weit entfernt bereits auf der amerikanischen Seite des Atlantiks liegt, bleiben uns die überschwängliche Natur, die Magie der Wasserfälle, die Kraterlagunen und die Hortensienhecken entlang der Strassen in bester Erinnerung. Auf unseren Wanderungen, stiessen wir immer wieder auf hübsche, verschlafene Bergdörfer.

Auf der Insel Faial überraschte uns die geradezu kosmopolitische Atmosphäre in Horta, dem Zwischenhalt der Transatlantik-Segler. Nebst der Rundumwanderung des Vulkankraterrands Caldeira liess uns das, was der Vulkan Capelinhos bei seinem Ausbruch in den 1950er Jahren hinterlassen hat, die gewaltige Kraft des Erdinnern erahnen. Wirklich eindrücklich!  

Auf der Insel Pico schliesslich war Erlebnis pur angesagt: In einem kraftvollen Gummiboot konnten wir Blauwale, Pottwale und Finnwale, aber auch Streifendelfine ganz nahe beobachten und fotografieren. Und die Besteigung des gewaltigen Ponta do Pico (2351m) forderte einiges von unserer Berggängigkeit ab. Unser Tipp: den lokalen Weisswein Frei’s Gigante kosten – Gaumenfreude ersten Ranges.

Azoren - Flores

Die Fahrstrassen auf allen vier Inseln sind in erstklassigem Zustand. Alle Wanderrouten die wir gewählt haben, waren gut ausgeschildert und markiert. Die Zahl der Restaurants ist auf allen Inseln eher bescheiden; es lohnt sich deshalb, den Tipps im Dumont-Reiseführer zu folgen. Die Preise sind überaus bescheiden, wenn man bedenkt, wie weit weg vom Festland die Azoren liegen. Es reicht vollends, den kleinsten Mietwagentyp zu wählen, denn die Fahrstrecken sind kurz und das Domizil auf jeder Insel aus Ausgangsort gut gewählt.  

Bleibt nur zu hoffen, dass die Azoren noch lange vom Massentourismus verschont bleiben und nur Gäste dorthin reisen, die unverfälschte Natur, Ruhe und liebenswürdige Einwohner zu schätzen wissen!