Bhutan – unsere Reiseeindrücke

Von Silvia und Peter Knobel
Zeremonientänze vor dem Klösterchen von Phobjikha

Wiewohl wir in den letzten 25 Jahren über 40 Länder bereist haben – zumeist mit Nature Team oder Wikinger Reisen – bleibt Bhutan einzigartig. Bhutan ist in nahezu jeder Hinsicht anders. Die Bhutan-Reise mit Nature Team bestand aus vier Trekking-Tagen auf dem eindrücklichen Drachenweg und einer zehntägigen Begegnungsreise mit den liebenswürdigen Menschen Bhutans und ihrer Kultur, sowie vielen gemütlichen, halbtägigen Wanderungen durch die gebirgige Landschaft mit ihren zahlreichen Kleinbauernbetrieben.  

Was macht Bhutan so anders?, werden wir seither immer wieder gefragt. Es sind viele unvergleichliche Facetten dieses Königreichs im Himalaya, das etwa gleich gross ist wie die Schweiz, aber nur von gut 700‘000 Menschen bewohnt wird. Viele dieser Facetten hat uns unser Reiseleiter Sonam Jezer erschlossen. Mit ihm entstand eine eigentliche Freundschaft.  

Bhutan Ein Kaufhaus in Trongsa

In Bhutan begegnen sich alle Bewohner stets auf Augenhöhe – das hat uns tief bewegt, bis heute. Es gibt dort weder ein Klassen-, noch ein Kastendenken; es wird nicht zwischen wohlhabend und arm, gebildet und ungebildet, städtisch und ländlich unterschieden. Alle Menschen begegnen sich mit gegenseitigem Respekt – einfach eindrücklich, dies zu sehen und zu erleben. In Bhutan geht man offenbar miteinander behutsam und gelassen um; wir sind nirgendwo und zu keinem Zeitpunkt auf unserer Reise und beim Durchstreifen der Dörfer und Kleinstädte einer Auseinandersetzung, einem Disput oder gar einem Streit begegnet. Das färbt selbst auf die Tiere ab, mit denen die Menschen Bhutans sehr sanft umgehen: Nie würde ein Bhutaner ein Maultier schlagen oder irgendeinem anderen Tier ein Haar krümmen. Selbst um Bienen den Honig abzunehmen, so berichtete uns ein Schweizer Auswanderer, der in Thimphu lebt, brauchte es grosse Überzeugungsarbeit und einen Erlass des Königs. Auch wenn überall Dutzende von Hunden streunen, streiten diese nicht miteinander, bellen kaum je und verhalten sich schon gar nicht aggressiv zu uns Menschen. Ich habe sonst vor Hunden nahezu panische Angst, in Bhutan konnte ich diese gänzlich ablegen. Die unbesehen in Reisebüchern weitergegebene Empfehlung, Ohropax mit auf die Bhutan-Reise zu nehmen, um angesichts des Hundegebells wenigstens Schlafen zu können, ist eine Mähr. 

Bauernfrauen im Phobjikha-Tal

Frauen sind in Bhutan schon seit Jahrzehnten hundertprozentig gleichberechtigt, nicht nur vor dem Gesetz, sondern auch im gelebten Alltag (Indien könnte sich daran ein Vorbild nehmen). Begegnungen mit Einheimischen sind einfach; denn vor allem die Generation unter 35 spricht ausgezeichnet und sehr gut verständlich Englisch – weit besser als wir das je in Peking oder Delhi antrafen. Die Mehrzahl der Bevölkerung trägt stets die traditionelle Tracht, Männer wie Frauen, Mädchen wie Jungen. Kaum je begegnet man Menschen in westlicher Bekleidung. Die Wirkung der Tracht ist beachtlich: Die Menschen gehen aufrecht und selbstbewusst. Die königliche Familie wird praktisch ausnahmslos hoch verehrt. Der junge König geniesst das Ansehen eines Landesvaters, der für seine Bevölkerung gut sorgt.  

Das Essen ist in Bhutan überall vorzüglich und vielfältig, sei es in den Kleinstädten oder auf dem Land, ja selbst auf dem Trekking wurde uns dreimal täglich eine feine, warme Mahlzeit geboten: Köstlicher Reis (besonders der schmackhafte rote, Bhutan-Reis hat es uns angetan), vier bis fünf verschiedene frische Gemüse, Suppen, und wenig, aber sehr gut zubereitetes Fleisch, wobei der traditionelle Chilli Cheese (scharfe, mit geschmolzenem Käse gekochte Pfefferschoten) nie fehlen durfte und dazu stets sehr feiner Tee oder das berühmte Red Panda Bier aus Thimphu. Alle Unterkünfte, Hotels und Pensionen, selbst die einfachen, sind sauber und gepflegt und gut beheizt. Überhaupt wirkt das ganze Land – mit Ausnahme des Phobjika Tals – sehr sauber und frei von Unrat und Abfällen. Einzig die Verkehrswege (fast ausnahmslos Naturstrassen) sind in einem überaus erbärmlichen Zustand, welcher dazu führt, dass man selbst für Strecken von 20km Stunden braucht und gewärtigen muss, dass Erdrutsche die Route unpassierbar machen, bis Bagger wieder eine schmale Durchfahrt frei gemacht haben.  

Bhutaner gehen unverkrampft mit dem buddhistischen Glauben, den Mönchen, Nonnen und Klöstern um. Die Volksfrömmigkeit wirkt nie aufgesetzt, sie kommt ganz natürlich daher. Unser Reiseleiter Sonam Jezer hat uns sehr einfühlsam in die komplexe Welt des Buddhismus eingeführt und uns bei den Tempelbesuchen viele der Legenden und deren Bedeutung erklärt. 

Dzong in Phunakha

Worin aber bestehen die touristischen Highlights dieser aussergewöhnlichen Reise in einem einzigartigen Land? Sie sind aus unserer Sicht leicht auszumachen: Die Begegnung mit Nomaden und ihrer grossen Yak-Herde auf 4‘150m Höhe, neben deren Lager wir unser Biwak aufschlagen durften; der 51m hohe bronzene Buddha der das Tal von Thimphu überblickt; die herrlich photogenen 108 Chorten auf der Passhöhe des Dochu La; der prächtig ausgestattete Dzong von Phunakha, der herrlich zwischen den beiden Flüssen Mo Chhu und Pho Chhu gelegen ist; das farbenprächtige Klosterfest in Phobjikha, das wir durch Zufall und als einzige Fremde miterleben konnten; Trongsa, jenes Kleinstädtchen, in dem wir den Eindruck erhielten, als sei die Zeit vor hundert Jahren stehen geblieben; die mystische Stimmung am ‚brennenden See‘, jenem abgelegenen Pilgerort mitten in der Natur; und natürlich der Aufstieg zum Taktshang Kloster, jenem Ort auf fast 3‘000m, den Guru Rinpoche der Legende nach auf einem Tiger reitend, gefunden hat. Doch, bei all diesen Sehenswürdigkeiten in der spektakulären Bergwelt Bhutans bleiben uns die Menschen, die dort leben in allerbester Erinnerung. Vielleicht könnten sie uns gar Vorbild sein, wie man auch leben oder zumindest respektvoll und behutsam miteinander umgehen könnte? Ob die Menschen in Bhutan wirklich glücklicher sind als anderswo? Wir meinen aus Überzeugung Ja. Die Menschen dort leben einfach und sehen gesund aus. Nirgendwo im Land begegnet man Armut oder Bettelnden. Nicht nur die Kinder strahlen, auch junge Erwachsene, Familien, Betagte, Mönche und Nonnen. Bhutan ist eine Horizonterweiterung – selbst wenn man sich schon ‚fast überall‘ auf der Welt umgesehen hat.  

Die üblichen Höhenlagen von 2‘800m bis 4‘200m haben wir gut ertragen, ohne Beschwerden, man muss einfach das Wandertempo und die Last entsprechend anpassen. 

Vor Bauenrhäusern wird gesponnen und Stoff gewoben
Was bringt man als Souvenir aus Bhutan mit? In vielen Bauernhäusern werden herrlich feine Stoffe gewoben, es entstehen kunstvolle Halstücher und Schärpen; überall findet man Schreiner, die schöne Ornamente schnitzen; ein authentisches Souvenir sind auch an borstiges Yak-Haar geknüpfte Maultierglocken und kunstvoll gefertigte Bambuskörbe, die zum Tragen der Lasten verwendet werden.  

Bleibt schliesslich noch zu erwähnen, dass Nature Team die Reise hervorragend organisiert, die Trekking- und Reiseroute sowie die Unterkünfte sehr geschickt gewählt hat. Unser Tour Guide Sonam Yezer und unser Fahrer Wangchuck waren die perfekte Wahl. Zudem erhielten wir stets genügend freie Zeit, um uns eigenständig vor Ort umzusehen, Begegnungen zu machen und zu fotografieren.