Reiseeindrücke – Individualreise

«Uganda»

Von Helga und Heinz Eisele

Uganda

Nun, hast Du sie gesehen??? Das ist doch die erste Frage die einem nach der Rückkehr aus Uganda von seinen Freunden gestellt wird. Es ist nicht schwer zu erraten wer gemeint ist – natürlich die Berggorillas. Aber es ist natürlich so, dass Uganda weit mehr zu bieten hat, als das Glück oder auch die Verantwortung diese wundervollen Kreaturen zu beheimaten und zu schützen.

Es ist ein eigenartiges Gefühl auf dem Weg zum Treffpunkt des Gorilla Trackings. Ist es Vorfreude, Respekt und vielleicht auch ein bisschen Angst? Nach einem ausführlichen Briefing über das Verhalten in der Gorillafamilie ziehen wir Kleingruppenweise in den Urwald – Bergurwald und das heisst bergauf und bergab. Das Ganze findet auf einer Höhe von 2000 – 2500 m ü.M. statt. Also nicht ganz unanstrengend und ein bisschen Geländetauglichkeit und Kondition schadet nichts. In der Regel findet man «seine» Gorillafamilie nach 2-3 Stunden. Einige «Späher» die bereits morgens früh los gezogen sind helfen dabei, dass das auffinden nicht allzu lange dauert. Ebenfalls bedeutet das, dass die Chance die Gorillas zu finden nahe bei 100% liegt.

Uganda

Auch wir sind nach gut 2 Stunden am «Ziel», wir treffen auf unsere «Späher». Wir entledigen uns allem Tagesgepäck, ab jetzt wird nur noch geflüstert und die Fortbewegung wird auf Zeitlupe umgestellt. Noch wenige Meter und wir stehen in der Wohnung der Gorillafamilie. Nur zwei bis fünf Meter trennen uns teilweise von den einzelnen Tieren, die sich, wie es scheint nicht im Geringsten gestört fühlen. Hühnerhaut überkommt einem beim Anblick der «Silberrücken» die jederzeit das Geschehen überwachen. Und hoppala, da liegen einem doch plötzlich zwei spielende Gorillababys vor den Füssen. Es wird nötig den Spielplatz freizugeben und ein paar Schritte wegzutreten. Eine Stunde verbringen wir bei der 9-köpfigen Gorillafamilie. Auf dem Rückweg bleibt Zeit, die Eindrücke nochmals Revue passieren zu lassen. Wir hatten den Eindruck, dass die Park Ranger, Guides und Träger ihrer «Schutzarbeit» mit viel Hingabe und Freude nachgehen und wissen, welche Verantwortung sie zum Schutz dieser wunderbaren Tiere tragen.

Uganda

Aber wie schon erwähnt hat Uganda noch einiges Mehr zu bieten. So befindet sich nördlich von Kampala ein kleines Naturreservat in dem sich Uganda mit der Wiederansiedlung von Nashörnern mit Erfolg bemüht. Zwischenzeitlich sind aus einem «Zuchtpaar» doch immerhin 18 Tiere entstanden, die freilebend, aber gut geschützt auf den 20 km2 leben. Unterwegs mit einem Ranger trifft man bestimmt auf ein paar dieser eindrücklichen Tiere.

Weiter nördlich im Umfeld des Lake Albert, wo sich der Viktoria Nile und der Weisse Nile begegnen, können ausgedehnte Pirschfahrten im Murchinson Falls Nationalpark unternommen werden. Hier begegnet man fast allen afrikanischen Wildtieren. Mit etwas Glück trifft man auch auf einen Leoparden.

Was in Uganda auffällt: die Parks sind nicht ganz so durchorganisiert wie in den typischen Safariländern wie Kenia, Botswana oder Namibia. Naturschutz wird ebenfalls sehr gross geschrieben und man hält sich natürlich zum Eigenschutz an gewisse Verhaltensregeln, aber es kann durchaus sein, dass man Safaritouristen auf Motorrädern begegnet oder ein Kleinbauer verirrt sich zufälligerweise mit seiner Viehherde in den Nationalpark, ohne dass dies zu einem Rangeraufstand führt. Auch wir hatten das Glück in Begleitung eines Rangers/Rangerin morgendliche mehrstündige Wanderungen im Park zu unternehmen. Ist dies doch nochmals ein etwas anderes Naturgefühl als die Pirschfahrten im Geländefahrzeug. Ein Ausflug mit dem Boot zu den Murchinson Falls lohnt sich sicher ebenfalls, so erhält man einen etwas anderen Blickwinkel vom Boot aus. Es gibt doch einiges im Uferbereich zu entdecken und die Fahrt endet unterhalb des Murchison Falls, wo sich der Viktoria Nile durch eine nur sieben Meter breite Öffnung «quetscht», um sich über 40 Meter in die Tiefe zu stürzten und anschliessend wieder auf über 300 Meter auszudehnen. 

Uganda

Ein paar anstrengende Autostunden südwestlich befindet sich das Ruwenzori Gebirge. Dieses markiert die Grenze zum Kongo und darin befindet sich mit dem Margherita Peak (5109 m) der dritthöchste Gipfel auf diesem Kontinent, hinter Kilimandscharo und Mt. Kenia. Wer sich auf dieses Gebirge einlässt sollte doch einiges an Hochgebirgs-erfahrung mitbringen. Wir haben uns drei Tage im Ruwenzori aufgehalten und sind bis auf 3600 m vorgedrungen. Auch mit Träger, Koch und Führer war das eine Heraus-forderung – die wir jedoch natürlich nicht missen möchten, entschädigt doch die Natur für alle Anstrengung. Es gibt keine Raubtiere und auch keine grossen Tiere – alles ist im Kleinen verborgen. So sei das Ruwenzori Chamäleon mit seinen drei Hörnern auf der Nase erwähnt, das sich nicht verfärben kann, aber ohne Hilfe unserer Führer bliebe das 20 cm grosse Tierchen für uns im grünen Blätterwerk unsichtbar. Wenn man sich auf diese Abenteuer einlässt, begibt man sich in eine Welt vor ein paar Jahrzehnten: keine Zivilisation, absolute Ruhe, Unterkunft - vielleicht im Stil von SAC Hütten im 1920, Wasser aus dem Bach... Wir haben das gesucht und gefunden. Unsere Begleiter haben alles und noch etwas mehr getan, um uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.

Uganda

Drei Tage haben uns die Muskelschmerzen an das Ruwenzori Gebirge erinnert. Eine schöne Erinnerung. Auf dem Weg weiter nach Süden lohnt sich der Aufenthalt im Queen Elisabeth Nationalpark. Hier am Verbindungskanal zwischen dem Lake Edward und dem Lake George oder weiter etwas südlicher am Ishasha River befindet sich die grösste Ansammlung von Flusspferden. Ebenfalls kann man mit etwas Glück ein paar baumkletternde Löwen beobachten - uns war das nicht vergönnt. Die Lodges befinden sich in unmittelbarer Ufernähe, ohne Zaun aber gut bewacht! Die grunzenden und schnaubenden Laute der Flusspferde lassen einem erst mit grosser Müdigkeit einschlafen. Die Hinterlassenschaften um das Safarizelt am Morgen zeugen vom nächtlichen Besuch. Aber ein bisschen Abenteuer haben wir ja gesucht.

Uganda

Es bleibt noch ein Tag in Entebbe. Vogelliebhaber sollten es nicht verpassen einen oder sogar mehrere Ausflüge zu den eineinhalb Bootsstunden entfernten Mabamba Sümpfe zu unternehmen. Als bekanntester Vogel ist hier der Schuhschnabel (Shoe Bill) beheimatet, ein Storchenvogel, sehr scheu, aber mit etwas Glück kann man sich diesem Kerl bis auf wenige Meter nähern. Kingfisher üben sich im Fischfang und leichtfüssige Ibisse und Reiher benützen die Seerosenblätter für ihre Ausflüge trockenen «Fusses». Viele verschiedene Kleinvögel suchen sich ihre Nahrung im dichten Papyrus Gras. Die Vögel kennen keine Scheu vor uns und das ermöglicht eine Beobachtung aus nächster Nähe.

Hier endet die ausgezeichnet organisierte und erlebnisreiche Reise.