Individualreise

«Usbekistan & Kirgistan – von der Wüste in die Steppe»

Von Silvia und Peter Knobel

Obwohl wir uns durch spannende Lektüre gut vorbereitet und auf diese aussergewöhnliche Entdeckerreise eingestimmt hatten, überraschte uns, wie verschieden diese beiden Länder doch sind – und dies, obwohl beide über viele Jahre gemeinsames Territorium der Sowjetunion waren.

Usbekistan ist weitestgehend flache Steppenlandschaft und wird durch märchenhafte Städte mit einzigartigen Baudenkmälern geprägt. Nicht so sehr deren Anzahl überraschte uns, sondern deren Prachtentfaltung und vor allem die Grösse der Moscheen, Medresen und Nekropole. Das begann mit dem Hast-Imam-Komplex in Taschkent, fand Fortsetzung mit dem Samaniden Mausoleum, der Ark-Zitadelle und der Nadir-Divan-Beg Medrese in Buchara, wo uns aber auch das alte Judenviertel bezauberte. Höhepunkt war jedoch ohne Zweifel das sagenhafte Samarkand, jene geradezu magische Stadt aus dem 14. Jahrhundert mit der bombastischen Bibi-Chanum-Moschee und dem unvergesslich eindrücklichen Registan-Platz. In Bann genommen hat uns aber auch die Nekropole Schah-i Sinda, in der man timuridische Baukunst in höchster Vollendung findet. Der zweitägige Abstecher in die Nurata-Berge liess uns erfahren, dass es auch in Usbekistan ein ländliches Leben in allergrösster Bescheidenheit gibt. Der in Usbekistan praktizierte Islam ist äusserst moderat, die Menschen sind zugänglich, am Kontakt interessiert und sehr gastfreundlich.

Kirgistan ist indes noch heute stark geprägt durch die nomadische Kultur, die Leidenschaft für Pferde und durch eindrückliche Berge und Gebirgsseen. Städtische Siedlungen sind bedeutungslos; das Leben auf den Bergweiden in Jurten mitten unter Schaf-, Pferde- und Yak-Herden dominiert. Ein Grossteil der Strassen sind Rüttelpisten, Pässe führen auf spektakuläre 3‘500 m ü.M. und am Horizont sind schneebedeckte 7000er zu bewundern. Begeistert haben uns das Übernachten in den prächtigen Jurten, die überaus grosszügige Gastfreundschaft der Bergbevölkerung und die Mahlzeiten, die sie uns zubereitet haben. Dass wir während zwei Tagen gar Gelegenheit erhielten, eine Bergtour hoch zu Pferd zu bewältigen, war ein Erlebnis erster Güte – so prächtige, wunderbar gefügige Tiere!

Von Islam ist in Kirgistan kaum etwas zu verspüren, von vormaliger Sowjetunion jedoch überall: so im äusserst einfachen Lebensstil ohne sanitäre Installationen, ja ohne fliessendes Wasser, und in der wunderlichen Architektur alter Sowjetbauten. Die Landschaften indes sind einzigartig und lassen jedes Fotografenherz höher schlagen. Eine Vorstellung vom Leben auf der alten Seidenstrasse gab uns der Besuch der Karawanserei Tasch Rabat im einsamen, abgelegenen At-Baschy Gebirge. Besuche bei einem Jurtenmachermeister im Dorf Kyzyl Tuu und bei einer Obstbäuerin am Issyk Kul waren so intensive Begegnungen, dass wir sie nicht so schnell vergessen werden. Wer gewaltige, von der Zivilisation nahezu unberührte Berglandschaften mag, Menschen, die noch jeden Tag nehmen wie er kommt, ihr Hirtenleben in den Jurten und auf kleinen Bauernhöfen miterleben will, ja eine Ecke der Welt entdecken will, die kaum Touristen sieht, findet all das in Kirgistan.

In Usbekistan wie in Kirgistan gibt es grosse Markthallen mit einem Angebot an Nüssen, Gewürzen, Früchten, Gemüsen, Fischen und Fleisch ohnegleichen. Beim Fleisch dominieren Lamm- und Pferdefleisch. Die runden Fladenbrote schmecken hervorragend. In Kirgistan gibt es keinen Alkohol, der Staat hat sogar sämtliche Weinberge aus der Sowjetzeit zerstört, um die Alkoholsucht auszurotten. Die Währung in Usbekistan ist nicht konvertierbar, d.h. man muss aufbrauchen, was man einmal gewechselt hat. In Kirgistan dagegen ist die Währung konvertierbar.

In beiden Ländern hatten wir dank Nature Team einen Tourenbegleiter, der nicht nur hervorragend gut Deutsch sprach, sondern über eine fundierte Hochschulausbildung und sehr gute Landes- und Geschichtskenntnisse verfügte, sich offen über die Probleme seines Landes äusserte, flexibel auf unsere Wünsche einging und auch sonst ein überaus guter, humorvoller Gesprächspartner war. In beiden Ländern stand uns zudem ein versierter, umsichtiger Fahrer mit einem gut gewarteten Fahrzeug zur Verfügung. Wir schätzten die grosse Abwechslung von Übernachtungen in kleinen Hotels, bei Bauernfamilien und in Jurten und störten uns auch nicht am damit verbundenen Komfortverzicht.

Die Nature Team-Individualreise entlang der Alten Seidenstrasse durch Usbekistan und Kirgistan war für uns – obwohl wir schon viel auf der Welt herumgekommen sind – eine entscheidende Horizonterweiterung. Dass dort vor 500 Jahren das Zentrum der Welt war und Weltgeschichte geschrieben wurde, dieses Bewusstsein ist noch heute in der Bevölkerung beider Länder tief verankert. Die Entdeckerreise Usbekistan/Kirgistan erfordert eine Portion Abenteuergeist, eine robuste Gesundheit und eine gute Konstitution. In Usbekistan ist es im Juni/Juli nämlich sehr heiss, nicht selten 40 ºC, und in Kirgistan, wo das Klima zwar erträglich ist, sind lange Wanderungen auf über 3‘000 m ü.M. kräftezehrend. Beim Essen in Usbekistan ist Vorsicht am Platz – da nützt auch der obligate Wodka vor der Mahlzeit nichts – während in Kirgistan selbst Salat, Gurken und Wassermelonen bedenkenlos genossen werden können. Steh-WC's im Freien sowie das Fehlen von sanitären Einrichtungen in den Gebäuden sind auch nicht jedermanns Sache; uns indes hat das nie gestört. Wir haben es vielmehr als Teil des Reiseabenteuers betrachtet. Erholung und ein bisschen Verwöhnung bot der zweitägige Aufenthalt am Ende der Reise im Raduga Resort direkt am Norduferstrand des sagenhaft schönen Issyk Kul, einem Gebirgssee, der elfmal so gross ist wie der Bodensee. Nature Team sind wir für die perfekte Reiseorganisation ein herzliches Dankeschön schuldig.